Konzept der Reittherapie Berg: Heilung durch die Kraft der Pferde
Konzepteinleitung Reittherapie
Die Reittherapie ist eine ganzheitliche, erlebnis- und ressourcenorientierte Therapieform, in deren Mittelpunkt die Beziehung zwischen Mensch und Pferd steht. Das Pferd übernimmt dabei eine besondere Rolle: Es ist zugleich Co-Therapeut, Werkzeug, Freund und Mitarbeiter. Durch seine feinfühlige Wahrnehmung, seine unmittelbare Reaktion auf menschliche Emotionen sowie seine klare, wertfreie Kommunikation ermöglicht das Pferd therapeutische Prozesse, die auf rein verbaler Ebene oft nicht erreichbar sind.
Als Co-Therapeut unterstützt das Pferd den therapeutischen Prozess durch seine unmittelbare, wertfreie Reaktion auf den Menschen. Als Werkzeug ermöglicht es gezielte Bewegungs-, Wahrnehmungs- und Beziehungserfahrungen. Gleichzeitig begegnet das Pferd dem Menschen als Freund, der Vertrauen und Sicherheit vermittelt, sowie als Mitarbeiter, der fachlich begleitet in den therapeutischen Ablauf eingebunden ist.
Haltung der Therapiepferde im Offenstall
Unsere Therapiepferde werden bewusst im Offenstall gehalten, da diese Haltungsform der natürlichen Lebensweise des Pferdes am nächsten kommt. Sie ermöglicht den Tieren, ihre arteigenen Bedürfnisse nach Bewegung, sozialem Kontakt und Rückzug eigenständig zu erfüllen. Durch das Leben in einer stabilen Herde entwickeln die Pferde einen natürlichen sozialen Umgang miteinander, was sich positiv auf ihr emotionales Gleichgewicht und ihre innere Ausgeglichenheit auswirkt.
Die Pferde haben rund um die Uhr Zugang zu Heu und frischem Wasser, sodass kein Stress durch Futtersuche oder Futterknappheit entsteht. Auf die Gabe von Kraftfutter oder anderen energiehaltigen Futtermitteln wie Hafer wird bewusst verzichtet. Die im Pferd natürlich vorhandene Energie ist ausreichend und unterstützt ein ruhiges, ausgeglichenes Temperament.
Für die therapeutische Arbeit ist ein behutsames, einfühlsames und ausgeglichenes Pferd von zentraler Bedeutung. Die Offenstallhaltung in Kombination mit einer angepassten, naturnahen Fütterung schafft dafür die notwendige Grundlage und trägt maßgeblich zum Wohlbefinden und zur Zuverlässigkeit unserer Pferde im therapeutischen Setting bei.
Ausrichtung der Arbeit
Grundsätzlich ist bei uns jeder willkommen – vom Kleinkind (sofern eigenständiges Sitzen möglich ist) über Jugendliche und Erwachsene bis hin zu Seniorinnen und Senioren. Unser Therapiepferd trägt in der therapeutischen Arbeit Personen bis zu einem Körpergewicht von ca. 70 kg. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.
Das Pferd ist vielseitig ausgebildet und sicher im Reiten in allen Gangarten (Western) sowie im Fahren vor der Kutsche. Dadurch kann die Therapie individuell und bedarfsgerecht gestaltet werden.
Die Reittherapie kann unterstützend wirken bei:
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Körperlichen Verspannungen – durch rhythmische Bewegung, Wärme und gezielte Wahrnehmungsimpulse
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Sozialen Schwierigkeiten – Förderung von Beziehung, Vertrauen und klarer Kommunikation
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Ängsten (auch Pferdeangst) – behutsamer Aufbau von Sicherheit und Selbstvertrauen
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Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen – klare Strukturen, Präsenz und Fokussierung im Kontakt mit dem Pferd
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Gleichgewichtsstörungen – Schulung von Balance, Körperspannung und Koordination
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Sprach- und Kommunikationsproblemen – Anregung von Ausdruck, Wahrnehmung und nonverbaler Kommunikation
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Unterschiedlichen Behinderungen – individuelle Förderung unter Berücksichtigung der jeweiligen Möglichkeiten
Zusätzlich ermögliche ich durch Grundkenntnisse in der Gebärdensprache alternative Kommunikationswege.
Ziele der Reittherapie
Körperliche Ziele
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Förderung von Gleichgewicht, Koordination und Körperspannung
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Lösung von muskulären Verspannungen und Verbesserung der Körperwahrnehmung
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Stabilisierung der Sitz- und Haltekontrolle
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Emotionale Ziele
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Abbau von Ängsten (einschließlich Pferdeangst)
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Stärkung von Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und innerer Sicherheit
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Förderung von emotionaler Ausgeglichenheit und Ruhe
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Soziale Ziele
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Entwicklung von Vertrauen und Beziehungsfähigkeit
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Förderung sozialer Kompetenzen wie Rücksichtnahme, Klarheit und Abgrenzung
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Verbesserung der nonverbalen und verbalen Kommunikation
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Kognitive Ziele
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Steigerung von Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit
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Förderung von Wahrnehmung, Struktur und Handlungsplanung
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Unterstützung der Lern- und Merkfähigkeit
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Kommunikative Ziele
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Anregung der Sprachentwicklung und des sprachlichen Ausdrucks
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Förderung alternativer Kommunikationsformen (z. B. nonverbal, unterstützend durch Gebärden)
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Individuelle Förderziele
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Stärkung der Selbstwirksamkeit und Eigeninitiative
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Ressourcenorientierte Förderung von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen
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Verbesserung der Teilhabe und Lebensqualität im Alltag​
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Fazit:
Die Arbeit in der Reittherapie ist für mich mehr als eine berufliche Tätigkeit. Es ist eine besondere Erfahrung, die Fortschritte der Menschen zu begleiten, zu sehen, wie sie Vertrauen fassen, sich öffnen und eine Beziehung zum Pferd aufbauen. Diese Momente zeigen, wie kraftvoll die Begegnung zwischen Mensch und Tier sein kann.
Die Liebe und der respektvolle Umgang mit dem Pferd bilden die Grundlage meiner Arbeit. Das Pferd ist dabei nicht nur Teil der Therapie, sondern ein fühlendes Wesen und verlässlicher Partner. Aus dieser Haltung heraus entsteht ein geschützter Raum, in dem Entwicklung, Heilung und persönliche Entfaltung möglich werden.
